hanna: meinst du, dass wir jetzt ein stückchen mehr einsicht gewonnen haben? wissen wir, was wir hätten...hätten... hätten... - hätten wir was anders machen können?
katharina: oder läuft die kritik darauf hinaus, dass wir das projekt gar nicht hätten machen dürfen?
ich denke wir haben auf jeden fall ein stück einsicht gewonnen, aber ich weiß nicht wie viel. deshalb habe ich angst davor mit dieser reflexion nochmal in die gleichen fallen zu tappen. ich glaube es gibt noch vieles was wir nicht verstanden haben.
hanna: also jetzt trauen wir uns gar nicht mehr... erst haben wir uns zuviel zugetraut und jetzt trauen wir uns gar nichts mehr.
es ist ja auch einfacher über die probleme von anderen leuten zu reden, als über die eigenen.
vielleicht erschaffen wir uns deshalb so gern die anderen.
katharina: also das ist doch glaube ich genau das, “sich selbst zu markieren”, dass das so wichtig ist und man aber so oft von sich selbst als dem neuralen ausgeht, und vergisst dass man das nicht ist, sondern immer etwas bestimmtes – mann, frau, weiß, schwarz usw. .
und dass das automatisch ein hirarchievehältnis impliziert, und zwar ob man will oder nicht.
hanna: ich habe von klein auf gelernt “alle menschen sind gleich”. zumindest in einem privaten rahmen sollte ich vergessen, dass es schwarz und weiß gibt... oder wollte ich... verstehst du? das ist im endeffekt aber ziemlich kontraproduktiv, besonders für eine begegnung bei der es um erfahrungen mit rassismus und diskriminierung geht.
katharina: aber weisst du, dass ist ja genau der punkt – dass es darum gar nicht ging. es ging ja um das thema migration in unserem projekt. und wir haben rassismus nicht explizit mitgedacht.
hanna: doch als thema schon, in unserem projektantrag.
katharina: ja aber nicht unter uns, nicht als aspekt der uns als gruppe, unsere beziehungen, unsere arbeit betrifft, sondern als thema von außen.
hanna: obwohl ich mich noch genau erinnere wie X gesagt hat, dass das in unserer gemeinsamen arbeit eine rolle spielen wird, nicht auszuklammern ist.
katharina: dieses gespräch war ja dann sofort ganz explosiv. das heißt es war von anfang an total umstritten, ob es überhaupt wichtig ist wer von uns schwarz ist und wer weiß.
hanna: ob das einen unterschied macht.
katharina: und das interessante ist, dass genau das zu sagen – dass es einen unterschied macht, ob man weiß oder schwarz ist, dann als rassistisch bezeichnet wird. das ist so eine verdrehung.
hanna: weil es so tabuisiert ist.
ich glaube an diesem punkt wurde es uns zu kompliziert und wir haben aufgehört darüber zu diskutieren.
katharina: das war auf jeden fall total emotional aufgeladen in dem moment, zum einen, und die andere sache war, dass dann gleich die kritik geäußert wurde, das sei eine zu theoretische herangehensweise, die uns nicht weiterbringt für die künstlerische arbeit.
hanna: ich weiß noch, dass mir ein stein vom herzen viel, weil X das so gesagt hat, dass wir in dieser begegnung, unserer arbeit ganz behutsam miteinander umgehen müssen.
weil ich nicht wußte wie ich benennen sollte, welche probleme ich da sah.
katharina: ... aber ein ungutes gefühl hattest?
hanna: ja also das war mehr als ein ungutes gefühl...
katharina: das heißt, du hast ein konfliktpotenzial in unserer arbeitsgruppe gesehen, was du nicht genau benennen konntest und warst froh, dass es jemand von außen gemacht hat?
hanna: ich hatte auch angst es zu benennen, weil ich angst vor dieser diskussion hatte.
katharina: ja warum ist das nur immer so?
hanna: weil rassismus so ein abgedroschener begriff ist. so verwaschen... fremdenfeindlichkeit, ausländerfeindlichkeit, diskriminierung wird alles synonym gebraucht. rassen gibts ja nicht biologisch gesehen. und über diese erkenntnis ist die mehrheit der weißen deutschen so froh, dass wir denken, damit sei das problem rassismus erledigt. ich muss an den satz denken: “race does not exist, but it kills people.”
katharina: ja aber ich glaube auch deswegen, weil die diskussion um rassismus immer sofort mit gegenseitigen vorwürfen und mit so einer art political correctness fundamentalismus verbunden scheint. und das löst dann so ein abwehrverhalten aus, oder?
hanna: ja, aber ich war noch ein schritt vorher.
ich erinnere mich, dass ich in diesem moment nicht sozusagen als fürsprecherin für eine schwarze position sprechen wollte, weißt du? ich habe mir gewünscht in dem moment wäre eine schwarze person da und würde dazu was sagen.
so war mein gefühl: unter weißen werden wir das nicht klären können.
katharina: das ist ja total interessant: das heißt doch dann, dass ich als weiße aus meiner dominanten rolle heraus mein eigenes verhalten nicht erkenne. sondern einen spiegel brauche, der mir mein eigenes verhalten verdeutlicht. also diese dominanz ohne die undominante sicht nicht verstehen kann.
hanna: weil ich nicht die gleichen erfahrungen mache, die ein schwarzer mensch macht.
katharina: das kann ich irgendwie nicht glauben: liegt das nicht mehr an der faulheit in der dominanten position nicht um zwei ecken denken zu können und die möglichkeit einer anderen erfahrung, einer undominanten position mit zu berücksichtigen?
hanna: und das konkreter nochmal aufs projekt bezogen...
an dem punkt kam mein gegenargument, dass dieses projekt von zwei seiten konzipiert ist. und explizit diese zwei seiten berücksichtigt.
katharina: aber welche zwei seiten denn?
hanna: na “süd” und “nord”. und damit schwarz und weiß.
katharina: ich glaube da liegt eine andere krux von dem projekt und das zeigt auch wie wahnsinnig komplex das war: dass es nämlich nochmal zwei rollen gab, die sich unterschieden haben: die beninischen projektpartner, anleitende, schauspieler,.... und die menschen aus unterschiedlichen teilen afrikas die als migranten in deutschland leben und “teilnehmer” waren; und die perspektive der letzteren war eben gar nicht vertreten oder mitberücksichtigt bei der konzepierung.
hanna: und ein anderes ding war: WER hat wirklich WAS zu sagen? und inwieweit haben wir in der konzeption wirklich die sichtweisen von nathalie und christel berücksichtigt – inwiefern gab es wirklich ein gemeinsames entwickeln?
katharina: die idee dafür war schon da, aber das war ein großes vorhaben. da sind wir an all die grenzen gestoßen, zeitlich, sprachlich, organisatorisch. die zwänge der produktion, den antragsfristen gerecht werden... . die anträge haben schon nochmal ein eigenleben. ich finde es interessant, wie der anspruch, den wir in den anträgen entwickelt haben, auf uns zurückgeschlagen ist. wir sind uns dazwischen ein bißchen verloren gegangen.
hanna: das war das ding - wie professionell sind wir wirklich. wir haben uns ganz schön viel zugetraut.
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